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Goldbergbau am Eisenberg

eisenberg-goldhausen.jpgSeit dem Mittelalter versuchten Goldgräber und Glücksritter dem Eisenberg, Deutschlands reichster Goldlagerstätte, das begehrte grafik-grube-eisenberg.gifEdelmetall abzuringen.

Zwanzig Kilometer Schächte und Stollen trieben sie in mühevoller Handarbeit in den Berg.

Goldbergbau am Eisenberg

Im Eisenberg bei Korbach befindet sich ein Goldvorkommen, das seit dem 11. Jahrhundert bis etwa 1617 bergbaulich ausgebeutet wurde. Während dieser etwa 500 Jahre dauernden Betriebszeit legte man einen 900 m langen, bis 12 m breiten und 9 m tiefen Tagebau an und fuhr nachweislich mehr als 48 Stollen und 45 Schächte auf. Noch heute weist der Berg logo-goldspur.gifzahlreiche Spuren dieser Zeit auf. Aus der Frühzeit des Bergbaus sind Relikte des Goldtagebaus, der sich durch den Ort Goldhausen erstreckt, erhalten.

Folgen Sie den Spuren der Goldgräber auf der Goldspur Eisenberg.

Neben einer Reihe von Schachtpingen (verstürzten oder verfüllten Schächten) zeugen vor allem verschüttete Stolleneingänge von dem ausgedehnten Bergbau. Besonders am östlichen Fuße des Berges finden wir umfangreiche "Waschhalden". (Infos zum Thema Goldwaschen) Dort wurde Goldflitter aus dem verwitterten Gestein der Berghänge ausgewaschen. Insgesamt wurden 1 - 1,5 Tonnen Gold aus dem Eisenberg gewonnen.

goldbergbau-gestein.jpgBild rechts: tannenzweigartig aufgewachsenes Gold aus einem Erzlager des Eisenbergs

Im Zuge des Bergbaus entwickelte sich Anfang des 15. Jh. die Bergmannssiedlung Goldhausen. Neben politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten Ende des 16. Jh. bereitete die Erschöpfung der Lagerstätte der Goldgewinnung im Eisenberg noch vor dem 30jährigen Krieg ein Ende. Jüngere Versuche bis in die neueste Zeit, den Goldbergbau wiederzubeleben, schlugen deshalb auch fehl.
Die Bergbaurechte gingen in die Hand der 1919 gegründeten "Gewerkschaft Waldecker Eisenberg". Es wurden allerdings nur noch wissenschaftliche Untersuchungen an den Goldvorkommen durchgeführt.
Anlässlich der Gründung eines Besucherbergwerks übernahm im Jahr 2003 der Verein "Historischer Goldbergbau Eisenberg" die Rechte.

Grubenbau am Eisenberg

"Das Gold jedoch, das in unseren Zeiten in reichlicherem Maße gefunden wird, kommt aus dem Königreich Böhmen, und neuerdings wird in den Teilen des teutonischen Westfalens, in einem Orte, der Curbeth genannt wird, in einem gewissen Berge Gold gefunden, von dem, wenn es gereinigt wird, weniger verloren geht, als von irgendeinem anderen".

(Albertus Magnus, De Mineralibus, Liber IV, S. 20, Ausgabe 1498, geschrieben 1250 mit der ältesten Erwähnung des Eisenberger Goldes)

goldbergbau-grube-georg.jpgDer im 15. Jahrhundert aufgefahrene St.-Georg-Schacht, dessen Lage in der Ortsmitte Goldhausens heute eine Schachthütte markiert, ist noch fast bis an den Grundwasserspiegel in einer Teufe von etwas unter 34 m befahrbar. 1992 wurde er für wissenschaftliche Forschungsarbeiten erneut mit dauerhaften Eisenfahrten (Leitern) versehen.

Der Schacht führt direkt in die über 180 m Länge aufgeschlossenen, bis 28 m hohen Goldabbaue der Erzlager 1-3. Noch anschaulicher als im Unteren Tiefen-Tal-Stollen lassen sich hier die Techniken des alten Firstenstoßbaues erkennen. Die Grube dürfte um 1400 oder früher angelegt sein, als bereits der Erbstollen zur Absenkung des Grundwasserspiegels bis zu den Georg-Bauen vorgetrieben war. Dendrochronologische Analysen von Grubenhölzern aus höheren, also jüngeren Abbauen der Grube ergaben Daten um 1484, 1486 und 1506.

Untere-Tiefe-Tal-Stollen als Besucherbergwerk geöffnet

Der Untere-Tiefe-Tal-Stollen, dicht südöstlich des Ortes Goldhausen, wurde im 15./16. Jahrhundert als 100 m lange Untersuchungsstrecke aufgefahren. 1922 bis 1929 veranlaßte C.-Th. Rauschenbusch ihre Erweiterung und ließ sie in der erzführenden Zone um 160 m verlängern. Dabei traf man auf eine alte offene Richtstrecke der Grube St. Sebastian mit zwei Schachtquerschlägen, mehreren Suchorten, einer Haspeistube sowie versetzten Goldabbauen.

Eindrucksvoll zeigt auch dieser 100 m weit begehbare Grubenabschnitt spätmittelalterliche Vortriebs- und Abbautechnik in den steilstehenden Erzlagern.

Bild rechts: Modell der St. Georg Grube

goldbergbau-schacht.jpgAußer den Tiefbauen weist der Eisenberg übertägig zahlreiche Spuren des Goldbergbaus auf. So im Westteil des insgesamt 1900m langen Bergzuges noch 200m der großen Tagebaupinge des 12.- 14. Jahrhunderts.
Am östlichen Bergfuß sind in einem 2,5 ha großen Waldstück Goldwaschkulen (13.- 16. Jahrhundert) weitgehend ungestört erhalten geblieben. Sonstige Schacht- und Schurfpingen sind auch anderorts am Berg vorhanden, die jedoch leider alle nicht der Öffentlichkeit zur Besichtigung zur Verfügung stehen.

Bild links: Blick in den bis zu 28 m hohen Goldabbau der St.- Georg- Grube

Wie entstand das schimmernde Edelmetall

... und wie kam es in den Korbacher Eisenberg?

Das ist eine lange Geschichte. Sie reicht etwa 360 Millionen Jahre zurück. Zu dieser Zeit gab es den Eisenberg noch nicht, stattdessen ein sehr großes Meer.
Im Meerwasser beginnt also die Geschichte des Goldes, denn hier war es damals bereits vorhanden, so wie auch im Wasser der heutigen Ozeane das Edelmetall nachzuweisen ist. In unvorstellbar geringer Konzentration allerdings, früher wie heute. Dank der modernen empfindlichen Analysemethoden ist es eindeutig nachweisbar, auch wenn die messbaren Größenordnungen einem Stück Würfelzucker, aufgelöst im randvoll gefüllten Edersee, entsprechen. Schwer vorstellbar, zugegeben, aber Tatsache.

Video rechts: Die Entstehung von Gold in Bildung & Gewusst wie  |  View More Free Videos Online at Veoh.com

 

Am Boden unseres viele Millionen Jahre alten Karbon-Meeres setzen sich Sedimente ab. Es ist überwiegend Material, was die Flüsse vom Hunderte Kilometer entfernt gelegenen Festland herantransportieren, also überwiegend Schlamm. In den dunklen und schlecht durchlüfteten Tiefen des Meeres ist es tiefschwarzer Faulschlamm, der viele Meter dicke Lagen bildet. In diesem Umfeld entstehen nicht nur Fossilien, die wir heute als "Muschelabdrücke" finden, es wachsen auch Kristalle: besonders der Pyrit, ein messinggelbes und daher auch als "Katzengold" oder "Narrengold" bezeichnetes Mineral. Dieses Schwefel-Eisen-Mineral spielt eine wichtige Rolle!

Durch chemische Prozesse wird ein Teil des Goldes dem Meerwasser entzogen und fest in diesem Pyrit eingelagert. So kommt es in diesem Mineral zu einer ersten Voranreicherung, auch wenn "Gold in Katzengold" längst noch keine Lagerstätte ausmacht. (Dazu ist noch eine zweite Konzentration erforderlich, die erst viele Millionen Jahre später stattfindet.)

Doch zunächst werden die Faulschlammschichten von weiteren Sedimentlagen, oft mehrere zig Meter mächtig, begraben. Durch diese schwere Last wird der Schlamm allmählich trocken und fest, aus Faulschlamm wird allmählich Schwarzschiefer.

Gegen Ende der Karbonzeit wird es für diese Schiefergesteine unruhig. Unvorstellbar gewaltige Kräfte schieben diese Gesteinslagen seitlich zusammen und' heben sie empor. Auch dieser Prozess dauert wieder einige Millionen Jahre, würde er heute unsere Region unmittelbar betreffen, würden wir es - von seltenen leichten Erdstößen abgesehen - nicht wahrnehmen. Gleichzeitig zieht das Meerwasser ab, unsere Region wird "trockengelegt".

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Bild links: Geologische Entwicklung (Quelle: Hess. Landesamt für Umwelt und Geologie - www.hlug.de)

Diese Gebirgsbildung ist wichtige Voraussetzung zur Bildung der Eisenberger Goldlagerstätte (und vieler weiterer Erzlagerstätten). Durch die Bewegung der Gesteine werden Fallen angelegt, an denen sich später das Gold sammelt. Bewegt sich zum Beispiel bei der Auffaltung der Gebirge eine harte Gesteinslage über eine weichere, wird letztere an der Grenzfläche "hart-weich" deutlich ungeschliffen und aufgemahlen.
Auch durch Aufreißen von Sprüngen und Klüften im Gestein werden Hohlräume angelegt, in denen sich das Gold bevorzugt absetzen kann.

Dieses geschieht im zweiten Anreicherungsprozess, der nach der Gebirgsbildung stattfindet. Der Eisenberg, wie auch viele benachbarte Berge, werden von heißen Wässern durchzogen. Auch dieses ist, zugegeben, zunächst schwer vorstellbar, aber Geysire oder heiße Quellen sind auf ähnliche Ursachen zurückzuführen und heute an vielen Bereichen der Erde erkennbar (wenn auch zur Zeit nicht im Waldeckischen). Diese Wasser stammen aus sehr tiefen Bereichen der Erdkruste und können mit 200 bis 300 Grad viele Veränderungen im Gestein bewirken.
Besonders unserem Pyrit geht es hierbei "an den Kragen", das heißt unser "Katzengold" wird oft stark zersetzt. Das zuvor aus dem Meerwasser eingebaute Gold geht hierbei in Lösung und wird mit dem aggressiven heißen Wasser einige Meter weit durch das Gestein transportiert. An bestimmten Stellen wie zerriebenen Gesteinen und Hohlräumen wird das Gold wieder ausgefällt und hierbei stark angereichert. So entstehen schmale Gänge, in denen Gold hoch konzentriert wird. Gleichzeitig bilden sich durch diesen Prozess Minerale wie Kalkspat und Blei-Selen-Erz, die an gleicher Stelle auskristallisieren und oft mit Gold sehr dicht verwachsen sind.

eisenberg-ense-blick.jpgBild rechts: Eisenberg bei Korbach (Quelle: Bergbaugeschichte im Landkreis Waldeck-Frankenberg - www.geo-present.de)

Zusammengefasst gilt für die Entstehung des Eisenberger Goldes: Es war schon da, ist aber zweimal aufkonzentriert und an besonderen Partien im Gestein abgesetzt worden.
Das Gold der Eder ist erst danach gebildet worden, als die Eisenberger Mutterlagerstätte - wieder im Laufe einiger Millionen Jahre - durch Verwitterung abgetragen wird. Dieser Prozess findet auch heute statt, für uns fast nicht erkennbar. Doch achten wir einmal im Frühjahr auf Hochwasser in Bächen und Flüssen: Es ist trübe. Wieder werden Schlamm, Sand und Geröll, zusammen mit unseren Goldflitterchen, in Richtung Meer transportiert. Wieder setzt sich Material auf dem Meeresboden ab...

Dr. Berthold Jäger (WLZ - April 2000)