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Goldhäuser Sagen und Märchen

Diese Sage mag eine Erklärung dafür sein,
dass die Goldhäuser scherzweise die "Goldhäuser Höpper" (Frösche) genannt werden.

DER GOLDHÄUSER TEICH (M. Schmalz)

Auf dem Eisenberge stand in alter Zeit ein Schloss, das von einem mächtigen König bewohnt wurde. Einst kam ein Zauberer in Zwerggestalt zu ihm und sagte: "Wenn Du mir den Teich verpachten willst, der unterhalb deines Schlosses bei Goldhausen liegt, gebe ich Dir jedes Jahr als Pachtzins ein Fuder Gold." Gern ließ sich der König auf den Handel ein.

Mit Staunen sah er nun, wie der Zauberer aus der Tiefe des Teiches ungeheurere Mengen Gold herausholte. Er erhielt zwar jedes Jahr den ausgehandelten Anteil und häufte das funkelnde Metall in einem großen Gewölbe im Innern des Eisenberges an. Aber das war ihm nicht genug und er dachte neidisch: "Es ist doch nur ein geringer Zins, den mir der Zwerg von seiner Fülle abgibt", und kündigte den Vertrag. Aber Erpo, so hieß der Zwerg, ließ sich auf nichts ein und behielt den Teich in seiner Gewalt.
Da sandte der König Ritter aus, die ihn fangen oder töten sollten. Jedoch der Zauberer war unerreichbar. Sah er seine Feinde herankommen, so verwandelte er sich rasch in einen großen Frosch und sprang in das Wasser. Wenn jemand sich auf einem Kahn näherte, schwamm der Frosch unter den Kahn und warf ihn um. Der König erließ nun einen Aufruf: "Derjenige Ritter, der den Zwerg in seine Gewalt bekommt, sei es tot oder lebendig, soll drei Jahre lang die Einkünfte des Goldteiches als Belohnung erhalten und außerdem eine goldene Krone, die so fein geschmiedet ist, dass sie alle Kronen an Schönheit übertrifft."

Es kamen auch viele Ritter, aber als Erpo ein paar von ihnen in das Wasser geworfen hatte - nur wenige hatten in ihrer schweren Rüstung das Ufer wieder erreichen können, die anderen mussten elend ertrinken - wagte sich keiner mehr in den Bereich des Zwerges.

Eines Tages kam ein junger Königssohn vom Rhein, dem seine Eltern früh gestorben waren. Böse Vettern hatten von dem Königsthron Besitz ergriffen und den Knaben in ein fernes Kloster gesteckt. Als ihn hier nach einigen Jahren die Mönche zwingen wollten, Priester zu werden, war er entflohen.
Er besaß keine Rüstung, sondern nur ein Schwert. Das hatte er sich gegen ein Amulett, das er seit seiner Kindheit am Halse trug, auf seiner Flucht aus dem Kloster bei einem Waffenschmied eingetauscht. Er hatte den Mut seiner Vorfahren geerbt und es gelernt, das Schwert zu schwingen, denn in jener Zeit wurde auch das Waffenhandwerk in den Klöstern gepflegt.
Von dem Aufruf des Königs war auch die Kunde zu ihm gedrungen, und er versuchte nun, den Unhold des Teiches zu bezwingen. Ohne Rüstung, nur mit seinem Schwerte bewaffnet, fuhr er auf einem ausgehöhlten Baumstamm nach der Hütte Erpos, die auf einer kleinen Erleninsel des Teiches stand. Kaum hatte er sich der Insel genähert, da fuhr auch schon der Zwerg aus seiner Hütte heraus und stürzte sich ins Wasser. Im nächsten Augenblick kippte der Kahn des kühnen Angreifers um. Der Jüngling war aber ein guter Schwimmer, auch hinderte ihn keine Rüstung, und so schwamm er unbeirrt der Hütte zu. Als dies der Zwerg sah, gebrauchte er Zaubergewalt und verwandelte den Königssohn in einen Schwan. "So", sagte er, "nun bleibst Du auf meinem Teiche, jetzt habe ich vor Dir Ruhe."

Der arme Königssohn musste nun als Schwan weiterleben. Sein Schwert lag auf dem Grunde des Teiches. Er hätte es wohl durch Tauchen heben können, aber es konnte ihm ja nichts mehr nützen.

Da sah der verwandelte Königssohn eines Tages, wie ein wunderschönes Mädchen von dem nahen Goldhausen herkam und nach dem Schlosse auf dem Eisenberg ging. Es brachte frische Beeren dorthin, die der König liebte, und wofür er jeden Bringer reichlich lohnte. Als das Mädchen zurückkam, sah es den schönen Schwan. Es lockte ihn heran und warf ihm einige Stückchen Kuchen zu, die es im Schlosse gekommen hatte. Der Schwan schwamm herbei und holte sich die Brocken.

Dies wiederholte sich nun täglich, und der Schwan wurde immer zutraulicher.

Einmal, als das Mädchen wieder dem Teiche zuging, um seinen Freund zu besuchen, flog von einem nahen Baum ein Rabe auf und krächzte. Da, als er den Schnabel auftat, fiel etwas Schimmerndes zur Erde. Das Mädchen hob es auf und bewunderte es, konnte es aber nicht begreifen, was das seltsame Ding, das an einem güldenen Kettchen hing, zu bedeuten hatte.

Unterdessen war es an den Teich gekommen, und da der zutrauliche Schwan ihm bis ans Ufer entgegen schwamm, hing es ihm das Kettchen aus Spielerei um den Hals. Auf einmal stand der Königssohn vor ihm. Er war jetzt von dem Zauber befreit, denn das Ding, das ihm das Mädchen umgehängt hatte, war sein Amulett, das der Waffenschmied gestohlen hatte. Und dieses Amulett hatte die ihm bis dahin unbekannte Eigenschaft, gegen alle Zauberei zu schützen. Der Königssohn dankte seiner holden Befreierin und bat sie, eine kurze Weile zu warten. Dann tauchte er unter, holte sein Schwert aus der Tiefe des Teiches und schwamm der Erleninsel zu.

Der Zwerg schlief gerade, erwachte aber, als der Königssohn mit dem Schwert in der Hand in seiner Hütte stand. Er sah sofort das Amulett und wusste gleich, dass er nun keine Gewalt mehr über ihn hatte. Er warf sich auf die Knie und verlegte sich aufs Bitten. Aber sein Gegner hörte ihn nicht an, sondern stieß ihn das Schwert in das böse Herz.

Dann ging er zum Königsschlosse und zeigte seinen Sieg an. Der König war sehr erfreut, als er den Zwerg tot sah, und gab dem Königssohn den versprochenen Lohn. Dieser setzte die Krone seiner treuen Freundin aufs Haupt und fragte sie, ob sie seine Königin werden wollte. Das Mägdlein willigte ein und als sie Hochzeit gehalten hatten, zogen sie an den Rhein. Unterwegs warb er sich ein Heer und, da er Geld genug hatte, es auszurüsten, zog er gegen seine Vettern in den Krieg, besiegte sie und kam dadurch wieder in den Besitz seines väterlichen Erbes.

Aber als der König auf dem Eisenberge in dem Goldhäuser Teich nach Gold graben ließ, war der Ertrag lange nicht so groß wie bei Erpo. Der Zwerg allein wusste die Goldader und hatte sein Geheimnis mit ins Grab genommen.
Mancher hat seitdem dort nach Gold gesucht, aber keiner hat je etwas gefunden.

DAS MÄRCHEN VON GOLDHAUSEN

Die Goldhäuser Wichtel sind kleine Leut'und wohnen nicht vom Dorfe weit - im Eisenberge.
Sie kommen hervor, wenn das Wetter klar,bald sichtbar und bald unsichtbar in Sternennächten.

Sie planschen vor'm Stollen im Wässerleinund bleichen die Wäsche wie Schnee so rein im Mondenscheine.
Man sieht sie nicht kochen, doch blauen Rauchund hört im Berge ihr Stimmchen auch - Musik und Singen.
Oft klingen die Fiedeln und singt ein Chor.Wipp, schlüpfen sie aus dem Berg hervor zum Ringeltänzchen.
Und ringeln dort hin und ringeln dort her,als wenn bei ihnen eine Hochzeit wär auf grünen Matten.

Im Winter, wenn da Eis unten im Teich,dann kommen sie auf Schlittschuhen gleich und schieben Kegel.
Purr! Schnurrt dann die Kugel und fällt was um,so bleibt das kleine Volk nicht stumm - Schrein: Alle Neune!
Die Kegel, die Kugel, die sieht man dortdoch nicht die Leutchen am selben Ort, nur Schlittschuhblinken.
Man sieht das Blinken und Spur hingehen,manch' zierliche Eisfigur entstehen; die können Künste.
Fällt einer und fällt sein Käppi vom Kopfdann sieht man liegen den armen Tropf und hört ein Lachen.

Sie backen Kuchen mit süßem Kern;den essen die Goldhäuser Kinder so gern. "Gebt Kuchen, Kuchen!"
Und wenn auch kein's ein Wichtel sah;doch liegt auf einmal ein Kuchen da mit süßem Kerne.

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Man sagt um Mittag schlafen sie fest,da krochen einst hinein in ihr Nest zwei kleine Mädchen.

Die fanden dort ein glitzernde Pracht,die Kammern aus Edelstein gemacht und Betten von Seide.
Die fühlten sich an, wie Flaum so weich.Die Wichtel liegen drin wie im Himmelreich Und schlafen selig!

Ihr König, der Alte, der schlief so fest,dass eins der Mädchen sich locken lässt: Nimmt eine Kugel.
Und läuft mit der Kugel stracks hinausund läuft und läuft und kommt nach Haus und zeigt das Wunder.

Die Kugel von Golde war so schön,die ganze Welt war dran zu sehn in bunten Spiegeln.
Man sah da hundert Fabelein,Meermänner, Riesen, Nixen und Feyn, mit Feuerdrachen.
Und Ritterkampf und Ritterpreisund Liebeshistörchen tausendweis, ganz allerliebste!
Kurz, aller bunten Zeiten Lauf,ja selbst Unmögliches war darauf. Schön wie Karfunkel.

Da gab's ein Gucken, ein Wenden und Drehn,ein jeder wollte was anderes sehn. Und alle sprachen:
Kind, wahre die Kugel, sie bringt dir Glück!Nein! sprach das Kind, ich trag sie zurück, zum Eisenberge.

Und lief schnurstracks in den Stollen hineinund setzt' auf den Tisch aus Marmelstein die Kugel nieder;
und wollte davon im vollen Lauf.

Da wachten die Wichtelmännchen auf und sah'n das Mädchen. "Was läufst du, lieb ehrlich Mädelein?
Weil noch in unserem Hübelein, lass dir was schenken!"

Da gaben dem Kinde sie tausendviel,zuletzt ein wunderlich Saitenspiel, das klang gar eigen!
Und als das Kind das Klimpern verstand,klimpimperten immer in seine Hand blitzblanke Taler.

Die Goldhäuser Wichtel sind wahrlich gut;doch leiden sie keinen Übermut, von keinem Menschen.

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Ein Mann nahm mal das Stückchen Landund nahm nun Spaten und Hacke zur Hand und wollte graben.
Und grub und grub mit vieler Listob da nicht Gold und Kupfer ist - er grub und hacket.

Und gräbt und hackt bald tiefer hineinda klingt es hohl, da hört er schrein: "0 weh.o wehe! -
Du hackst in's Dach, es fällt unser Haus!Es fällt auf uns!" - " So geht doch raus!"- sagte der Bergmann.

"Mann! Es geht wohl keiner gern heraus,der lang schon gewohnt in einem Haus" - erklang's da wieder.
"Wir wohnten hier schon, eh man Bier gebraut,wir wohnten hier schon, eh Goldhausen gebaut; laßt uns in Frieden!
Wir wohnten hier, eh ein Mensch noch kamund einen Baum aus dem Walde nahm; Laßt uns in Frieden!"

Sprachlos der Bergmann, der sich nicht kenntund rennt und rennt und rennt und rennt hinein zum Dorfe.
Der Bergmann rennt im Dorf herum,doch niemand kümmert sich darum, die Bauern lachtenund sprachen:
"Wir sehen nicht Rauch, nicht Schein,nicht Gold, nicht Kupfer, nicht Erzgestein, wohl ist's versunken."

Da stand und guckt und guckt der Mannund sah sein ganzes Bergwerk an und dachte, dachte.
Es schien ihm, als wär es Geistertrugund Wichtelmännchens Rachefluch und lies das Graben.

Drauf rumpelte es so Tag und Nachtda sagt man, haben sie weggebracht Kisten und Kasten.
Und Bäume wuchsen und Sträucher bunt,Himbeeren und Brommels für Kindesmund und Vöglein singen.
Und Rehe springen und Hasen im Strauchund Ringeltänzchen tanzen nun auch alle die Kinder.

Die Wichtel trippeln und trappeln hinabund keiner lies seine Nebelkapp' im Winkel liegen.
Ein Liedlein, sagt man, sangen sieim Zieh'n, doch ganz entwichen sie nie: Es gibt noch welche!
Und manchmal kommt ein Wichtel herausund wohnt bei guten Leuten im Haus: Sie tun viel Gutes.

Und nun Leute gebt immer hübsch acht!Kommt mal ein Wichtelchen ganz ganz sacht, so störe es nicht.
Dann bringt es Dir Glück und Sonnenscheinin Deinem trauten Hübelein, Bleib stets auf der Hut.