titel-goldhausen.jpg

Bericht vom Georg-Viktor-Turm

Am 3. Juni 1905 wurde der Georg-Viktor-Turm eingeweiht

Ein großes Fest für die Waldecker auf dem Eisenberg bei Korbach - Nach dem Bericht in der „Corbacher Zeitung" vom 6. Juni 1905

Gedenkschrift zur Einweihung Georg-Victor-Gedächtnisturms

georg-viktor-turm-1905-bau.jpgArbeiter beim Bau des Georg-Viktor-Turms auf dem Eisenberg. Es war eine wacklige Angelegenheit, das Baumaterial, das mit Pferdewagen auf den Eisenberg geschafft worden war, über die Holzrampen in die Höhe zu befördern. Rechts neben dem Tor in dunkler Kleidung der Korbacher Maurermeister Heinrich Illian.

Die Feier zur Einweihung des Georg-Viktor-Gedächtnisturmes auf dem Eisenberg bei Korbach am 3. Juni 1905 bewegte schon wochenlang vorher die Gemüter im Waldecker Land. In Korbach, Lengefeld und Goldhausen wurden die Häuser und Straßen festlich geschmückt. Ganz besonders hatten sich die Korbacher ins Zeug gelegt, ihre Stadt im schönsten Licht erscheinen zu lassen. Schon am Vorabend des großen Festes zogen Gäste und Einheimische in großen Scharen durch die Hauptstraßen der Stadt und bewunderten die überaus reichen und geschmackvollen Dekorationen. Am Bahnhof, dem Berndorfer Tor, am Waldecker Hof und am Lengefelder Tor erhoben sich imposante Ehrenpforten. Straßen und Häuser prangten im reichen Tannen-, Girlanden- und Fahnenschmuck. Vor der Peterschen Villa war ein herrlicher Triumphbogen errichtet, der in Hunderten von elektrischen Lichtern erstrahlte. An der Ehrenpforte vor dem Berndorfer Tor prangten, ebenfalls im Schmuck des elektrischen Lichts, die Initialen F. (Friedrich) und B. (Bathildis) sowie das Stadtwappen mit dem heiligen St. Kilian und der Waldecker Stern (Korbach war eine der ersten Städte in Deutschland, die ein eigenes Elektrizitätswerk besaßen. Es wurde 1893 durch den Gründer der Akkumulatorenfabrik A.G. Hagen - Berlin, Adolf Müller, ins Leben gerufen, der einer Korbacher Kaufmannsfamilie entstammte. Erst durch den Bau der Edertalsperre wurde die Elektrifizierung von ganz Waldeck möglich). Unter der Leitung des Bahnmeisters wurden der Wartesaal und die Umgebung des Bahnhofs festlich dekoriert. Auf der Höhe des Kiliansturms wehten zwei Fahnen. Es war alles getan worden, was die Herzen der patriotisch gesinnten Waldecker höher schlagen ließ.

georg-viktor-turm-1905-einweihung.jpgFeierliche Einweihung des Georg-Viktor-Turms Am mit Tannengrün geschmückten Rednerpult Fürst Friedrich zu Waldeck und Pyrmont bei seiner Ansprache. Zu beiden Seiten des Turms sind Abordnungen von Vereinen mit ihren Fahnen postiert. Vorn stehen zahlreiche Ehrengäste mit Cut und Zylinder. Bei der Enthüllung des Porträt-Reliefs gab es eine kleine Panne: Das Tuch hatte sich verhakt.

Festteilnehmer von nah und fern

Sämtliche Kriegervereine in Waldeck und die Waldecker Vereine von Essen, Hagen, Bremen und vielen anderen Städten waren eingeladen, ebenso alle Bürgermeister, Pfarrer und Förster des Landes. Ein Extrazug brachte die Ehrenkompanie und die Bataillonskapelle von Arolsen nach Korbach.
Ein Sonderzug, der am Sonnabend um 8.15 Uhr eintraf, brachte zahlreiche Festteilnehmer und die Ehrenkompanie, die mit der Fahne unter klingendem Spiel durch Korbach und Lengefeld auf den Eisenberg zog. Bald darauf wurden in zahlreichen Kutschen und Wagen aller Art die Vertreter der Vereine und die Ehrengäste zum Eisenberg befördert. Der Berichterstatter der Corbacher Zeitung schreibt, dass " die weite Chaussee einem Heerlager glich".

Um 10.30 Uhr erfolgte die Aufstellung der Vereine. Die Fahnen-Deputationen waren an beiden Seiten des Turmes mit etwa 60 Fahnen und Bannern gegenüber dem Fürstenzelt aufgestellt, daneben die Ehrenkompanie der 83er, die aktiven und die Reserveoffiziere, die Forstbeamten, die Kriegervereine. Auf den Tribünen fanden die Ehrengäste, die Geistlichen, das Komitee und die Sänger Platz. Auch die Vertreter der Landes- und Kreisbehörden waren vertreten.

Der Fürst mit Gefolge

Die fürstlichen Herrschaften Fürst Friedrich zu Waldeck und Pyrmont war mit seiner Familie und den hohen Gästen inzwischen mit einem Sonderzug in Korbach eingetroffen und wurde dort von den Vertretern der Stadt begrüßt. Mit Kutschwagen fuhren die Herrschaften dann über Lengefeld und durch Goldhausen zum Eisenberg, wo sie um 11.30 Uhr eintrafen. Die Musik spielte "Heil dir im Siegerkranz" und "Unter allen Landen deutscher Erde", das spätere Waldecker Lied.

Der Fürst und seine Gäste nahmen im Fürstenzelt Platz. Zugegen waren: Fürst Friedrich, Fürstin Bathildis, Erbprinz Josias, Prinz Max, Hofdame Frl. v. Mauve, Flügeladjutant Oberst v. Apell, Kabinettsrat v. Hadeln, Ordonnanzoffizier, Hptm. v. Winterfeld, die Fürstin-Witwe, Prinz Wolrad, Hofdame Frau v. Schmidt-Hirschfeld, Erzieher Herr v. Haller, Fürst und Fürstin zu Bentheim mit Prinzessin Viktoria, die Herzogin v. Albany mit ihrer Hofdame Lady Moretin und Hofmarschall Sir Robert Collins, Erbprinz und Erbprinzeß von Erbach-Schönberg, der König und die Königin vom Württemberg mit der Hofdame Gräfin v. Zeppelin und Oberkammerherr v. Rasseler, Flügeladjutant Hptm. Dörtenbach und Oberstleutnant v. Behling, Erbprinz und Erbprinzeß v. Wied, die Grafen Hermann und Friedrich zu Waldeck und folgende Herren, die dem Fürsten Georg Viktor nahe standen: Präsident v. Hadeln, Oberjägermeister v. Estorff, Hofrat Dr. v. Möhlmann, Landesgerichtspräsident v. Stockhausen, Regierungspräsident v. Puttkamer, Regierungspräsident v. Sommerfeld, Exzellenz Frhr. v. Wintzigerode und Hofrat Dr. Marmel. Auch die Vertreter der Landes- und Kreisbehörden waren vertreten. Ein Männerchor unter Leitung von Lehrer Röhl sang mit Musikbegleitung: " Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre".

Der Vorsitzende des Denkmalkomitees, Kreisamtmann Waldschmidt, hielt die Festrede. Dann wurde das Reliefbild des Fürsten Georg Viktor enthüllt, ein Werk des Bildhauers Friedrich Volke. Der 23 Meter hohe Turm wurde von Landesbauinspektor Wilhelm Müller entworfen und von Maurermeister Heinrich Illian in Korbach gebaut. Das Material besteht aus Kalkstein, die Einfassungen aus Sandstein.

Wappenstein vom alten Schloss

Am Aufgang zum Turm ist ein Wappenrelief vermauert, das aus der Zeit um 1520 stammt. Es zeigt die Wappen des Grafen Philipp III. und seiner Gemahlin Anna v. Cleve. Der alte Wappenstein soll in Lengefeld vermauert gewesen sein und erst beim Bau des Aussichtsturms wieder auf den Eisenberg gekommen sein. Außerdem sind in dem Raum unter der Treppe ehemalige Landesgrenzsteine eingemauert. Sie zeigen den Waldecker Stern und das Kreuz des ehemaligen Erzbistums Köln.

Herrlicher Rundblick

Vom Turm aus hat man einen herrlichen Rundblick. Man erkennt den Desenberg, den Dörnberg, den Herkules bei Kassel, das Hohe Gras, die Eder- und Lahnberge, die Berge des Sauerlandes und den Dommel bei Rattlar. Nachdem die fürstlichen Herrschaften Kränze zu Ehren des Fürsten Georg Viktor niedergelegt hatten, bestiegen sie den Turm. Das Fürstenpaar unterhielt sich mit bekannten Persönlichkeiten, auch mit dem "letzten Bewohner des Eisenbergs", dem Lehrer Albert Hopff.

Ein wahrer Ordenssegen

Das Verdienstkreuz IV. Klasse wurde verliehen an Kreisamtmann Waldschmidt, Bauinspektor Müller, Bürgermeister Steinrück, Hauptmann d. L. v. Hanxleden, Forstmeister Kruhöffer und Prof. Dr. Karl Drescher in Bonn. Das Ehrenkreuz erhielten Gutsbesitzer Grebe, Helmscheid, und Sparkassenrendant Rhode in Langenberg. Der Bildhauer Fritz Volke in Steglitz bekam die Medaille für Kunst und Wissenschaft und der Maurermeister H. Illian die goldene Verdienstmedaille.

Frühstück im Waldecker Hof

Um 12.15 Uhr fuhren die Fürstlichkeiten über Nordenbeck nach Korbach, wo der Kreisvorstand ein Frühstück im Waldecker Hof gab. Die Abfahrt nach Arolsen erfolgte um 15 Uhr mit dem Kutschwagen. Hier fand um 19.30 Uhr im Schloss eine Galatafel für etwa 100 Personen statt.

Seit der Einweihung wird der Turm viel besucht. Im Jahre 1955 veranstaltete der Bürgerverein "Sankt Kilian", Korbach, aus Anlass des 50-jährigen Bestehens ein Turmfest auf dem Eisenberg, bei dem auch einige alte Maurer zugegen waren, die noch am Turmbau gearbeitet hatten. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auf dem Turm Antennen für den Polizeifunk und Anlagen für das Fernsehen installiert. Außerdem ließ die Domanialverwaltung eine neue Treppe einbauen und andere Reparaturarbeiten vornehmen. Am 16. und 17. Juli werden die Goldhäuser und ihre Gäste mit einer Jubiläumsfeier an den Tag vor hundert Jahren denken, an dem der Georg-Viktor-Turm mit einem großen Fest in patriotischer Hochstimmung eingeweiht wurde.

"Durchlauchtigster Fürst und Landesherr!"

Eine Erinnerung an die Einweihung des Georg-Viktor-Turms

Von Eduard Bunte (1885 - 1956)
Am 30. Mai 1955 fand auf dem Eisenberg aus Anlass der Wiederkehr des Tages der Einweihung des Georg-Viktor-Turmes vor 50 Jahren eine Feier statt. Als ich den Bericht über die Veranstaltung in der Waldeckischen Landeszeitung las, tauchte bei mir die Erinnerung an eine Begebenheit auf, die ich vor 50 Jahren dort erlebt habe.

Nicht lange vor dem 3. Juni 1905 machte ich von Lelbach aus, wo ich seit ein paar Monaten als neugebackener Schulmeister amtierte, einen Spaziergang zum Eisenberg, nicht zuletzt deshalb, um mir den in einigen Tagen zur Einweihung kommenden Turm zuvor anzusehen. Ich wollte sogar in einem bei dieser Gelegenheit auftretenden, von Oberschullehrer Hopf geleiteten Männerchor - Gehrock war vorgeschrieben! - mitsingen. Es war ein herrlicher Frühlingstag. Gemächlich wanderte ich bergan. Dabei ließ ich botanisierungslüstern meinen Blick bald nach rechts, bald nach links schweifen. Es sollte doch irgendwo im Eisenberger Waldbezirk der nicht gerade häufig vorkommende Türkenbund wachsen. Karl Hopf, der schon damals durch seine hervorragende Pflanzenkenntnis bekannt war, hatte davon erzählt.

Ohne mir dessen recht bewusst zu sein, war ich so am Rande des Turmplatzes angelangt. Da hielt ich plötzlich erschrocken im Weiterschreiten inne. Was war denn das? Weithin schallend tönte es mir entgegen: "Durchlauchtigster Fürst und Landesherr! Allerdurchlauchtigste und Durchlauchtige Anverwandte!" Ich wusste nicht, wie mir geschah. Solche Titulationen für mich armen Dorfschulmeister mit einem Monatsgehalt von - ich erinnere mich wohl recht - achtundsechzig Mark und fünfzig Pfennig! Da konnte man ja größenwahnsinnig werden! Der mir unbekannte Redner machte eine Pause. Dann fuhr er fort: "Haben Sie mich verstanden?" "Jawohl", war ich geneigt zu sagen. Aber es verschlug mir den Atem. Da tönte aus dem Gebüsch jenseits eine Stimme: "Im allgemeinen ganz gut, Herr Kreisamtmann." Ach so, der Herr Kreisamtmann! Im Nu hatte ich die Situation erfasst. Der damalige Kreisamtmann Waldschmidt übte gerade die Rede ein, die er am Einweihungstage des Turmdenkmals halten wollte, und ließ sich dabei von jemandem in Bezug auf Lautstärke kontrollieren. Ich stand still, bis der Redner seine weiteren Ausführungen beendet hatte. Dann trat ich näher und besah mir den vollendeten Bau und die errichteten Tribünen.

Recht erheitert trat ich den Rückweg an. Türkenbund fand ich an diesem Tage nicht. Später aber sah ich ihn in Mengen an einem bestimmten Platz. Aber inzwischen habe ich die Fundstelle längst vergessen.