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Was tun mit "elternlosen" Jungvögeln: Verhaltenstipps für jedermann

Alle Jahre wieder werden angeblich verlassene und noch nicht flugfähige Jungvögel zu Tierärzten oder Tier- und Vogelschutzvereinen gebracht, in der Annahme, die junge Brut sei von den Eltern verlassen worden, oder nur einfach aus dem Nest gefallen. In der Tat, es sieht fast so aus, als sei für den am Boden hockenden Jungvogel das Ende bald gekommen. Hilfsbereite Menschen fühlen sich deshalb verpflichtet, dem gefiederten Freund unbedingt zu helfen. Sie nehmen ihn dann mit nach Hause und versuchen ihn aufzupäppeln, um ihn anschließend wieder in die Freiheit zu entlassen. In den meisten Fällen ist diese Mühe jedoch vergeblich, weil kaum jemand weiß, welches artgerechte Futter das Jungtier braucht, um zu überleben. 

Bevor man ein Tier mitnimmt ,sollte man sich vergewissern, ob der auf dem Boden hockende Jungvogel auch tatsächlich von seinen Eltern verlassen worden ist. Das anscheinend jämmerliche, länger andauernde Geschrei des Jungvogels ist nichts anderes als der Bettelruf, der die Verbindung zu den Altvögeln herstellt. Die Altvögel nähern sich dem Nachwuchs aber nur dann, wenn keine Bedrohung vorliegt. Den Menschen in der Nähe sehen sie aber als Bedrohung an. Wenn der Mensch nun dem Vogel keine Beachtung schenkt, sondern seinen Weg fortsetzt, wird der Altvogel das bettelnde Tier füttern, und ihm den Weg aus der Gefahrenzone durch Lockrufe weisen. 
Sollte der Jungvogel allerdings auf einem Fahrweg sitzen, wo große Gefahren auf ihn warten, so ist es ratsam ihn aufzunehmen und an einen sicheren Platz zu setzen. Die Elterntiere würden ihr Junges, das durch Bettelrufe auf sich aufmerksam macht, bald weiter füttern und betreuen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, man dürfe einen jungen Vogel nicht anfassen, da er sonst nicht mehr von den Eltern angenommen wird. Die meisten Vögel verfügen nämlich nur über einen schwach ausgeprägten Geruchssinn - im Gegensatz zu Säugetieren. Somit dürfte es zu keinen negativen Folgen kommen, falls der Vogel angefasst wird. 
Sollten berechtigte Zweifel bestehen ob die Altvögel in der Nähe sind, empfiehlt es sich die Jungvögel aus einiger Entfernung zu beobachten, um herauszufinden ob die Eltern sich um den Nachwuchs kümmern. Das müsste in der Regel innerhalb der nächsten 30-Minuten sein. Für den Fall, dass aus irgendeinem Grund die Altvögel nicht mehr füttern, sollte man die Jungvögel auf keinen Fall mit nach Hause nehmen. Sehr viel besser ist es, sie schnellstmöglich bei einer behördlichen genehmigten Vogelpflege- oder Auffangstation abzugeben. Nur dort sind artgerechte Ernährung und Betreuung möglich. Die Anschriften und Rufnummern dieser Stationen müssten bei örtlichen Naturschutzverbänden, der unteren Naturschutzbehörde in Korbach und beim Regierungspräsidium in Kassel zu erfragen sein.

Friedrich Bachmann

im Mai 2002

 

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